Mit Sicherheit zuverlässig: Ein Blick in die Produktentwicklung im Brandschutzbereich

Vor Bränden schützen ist der zentrale Aspekt eines gut durchdachten Brandschutzkonzeptes. Dafür bedarf es einer ausgezeichneten Planung im Zusammenspiel mit hochwertigen Produkten. Neue Technologien bieten in der Entwicklung spannende Ansätze und ermöglichen zunehmende Gestaltungsvielfalt und Freiräume hinsichtlich der Funktion und des Designs. Aus diesem Grund entwickelt Teckentrup fortwährend neue Ideen und konstruiert kreative, innovative Lösungen. So öffnet das Unternehmen dem Fortschritt Tür und Tor. Welche Herangehensweise dabei zu beachten ist und welche potenziellen Optionen sich für Produkte eröffnen können, verrät Dr. Stefan Klöpfer – Bereichsleiter der Konstruktion und Entwicklung bei Teckentrup – im Interview.

 

Herr Dr. Klöpfer, geben Sie uns doch gerne einen kurzen Einblick, welche Funktion Sie bei Teckentrup übernehmen und welche Aufgaben in Ihren Zuständigkeitsbereich fallen.
 

 

Dr. Klöpfer: Als Bereichsleiter der Konstruktion & Entwicklung bei Teckentrup bin ich, zusammen mit meinem Team, für die konstruktive Neu- und Weiterentwicklung des Produktprogramms, d.h. unserer verschiedenen Tür- und Torlösungen, verantwortlich.

 

„Aufgrund vieler Konfigurations- und spezieller Variationsmöglichkeiten unserer Produkte gibt es viel für unser Team zu tun.“

 

Neben der Entwicklung gehören hierzu u.a. unser Musterbau mit Produktmustern und Prototypen sowie Lösungen für Messeauftritte. Auch der technische Kunden-Support, Zulassungen und CE-Kennzeichnungen, technische Dokumentation inkl. automatischer Zeichnungsgenerierung sowie die Variantenprogrammierung gehören in unseren Aufgabenbereich.

 

Haben sich denn Ihre persönlichen Ansichten und Einstellungen in Bezug auf den Brandschutz seit Ihrer Arbeit bei Teckentrup verändert?
 

 

Dr. Klöpfer: Generell hat sich mit Beginn meiner Tätigkeit bei Teckentrup meine Wahrnehmung von Toren und Türen grundlegend gewandelt. Als studierter Wirtschaftsinformatiker mit Schwerpunkt Produktion und Logistik war ich zuvor für ein mittelständisches, international agierendes Familienunternehmen des Maschinenbaus tätig und hatte dort u.a. die Leitung des gruppenweiten Industrial Engineerings inne. Somit hatte ich bis dato nur beiläufig Berührungspunkte mit dem Thema Brandschutz. Hier musste ich feststellen, dass es sich bei Toren und Türen nur vermeintlich um einfache Produkte handelt, doch diese in Wahrheit sehr komplex sind.

 

„Je nach Variante wird die Tür oder das Tor entsprechend Einheitstemperaturzeitkurve über 120 Minuten mit bis zu ~1.050°C beaufschlagt, ohne dass definierte Temperaturgrenzen auf der feuerabgewandten Seite überstiegen werden oder die Konstruktion versagen darf.“

 

Die extreme Variantenvielfalt in Ausführung und Funktion bringt einen erheblichen Entwicklungs- und Prüfaufwand für hoch regulierte Brandschutzprodukte auf unterschiedlichen nationalen und internationalen Märkten mit sich. Beispielsweise müssen je nach normativen Anforderungen Tests mindestens zur Dauerfunktion und dem Feuerwiderstand in verschiedenen Ausführungsvarianten durchgeführt und deren Bestehen nachgewiesen werden. Bei einer solchen Brandprüfung wird die „Leistung“ deutlich sichtbar. Zudem wird die Einhaltung der nationalen Regeln des Bauordnungsrechts auf Basis von bauaufsichtlichen Verwendbarkeitsnachweisen extern überprüft. Im Rahmen von EN-Produktnormen erfolgt die Bewertung und Überprüfung der Leistungsbeständigkeit auf Basis der Bauproduktenverordnung (BauPVO).

 

Was fasziniert Sie besonders an Ihrem Aufgabenbereich?
 

 

Dr. Klöpfer:Mein Aufgabengebiet ermöglicht mir vielfältige gestalterische Spielräume: Der Bereich Entwicklung ist i.d.R. von Beginn an bei der Produktentstehung beteiligt – zu Anfang nur beratend, dann zunehmend eigenständig – immer in Abstimmung mit den angrenzenden Abteilungen. Wir begleiten den Produktentwicklungsprozess bis zur Markteinführung bzw. im Rahmen des gesamten Produktlebenszyklus selbst darüber hinaus. Das ist für mich nach wie vor ein spannendes und immer wieder neu herausforderndes Aufgabenfeld. Gerade im Bereich des Brandschutzes sorgen wir für die Sicherheit unserer Kunden und deren Werte.

 

Bedarf denn das Thema Brandschutz Ihrer Meinung nach generell mehr Aufmerksamkeit?
 

 

Dr. Klöpfer:Entscheidend für einen guten – vor allem vorbeugenden – Brandschutz ist die gesamte Handlungskette: Von der Planung, über die ideale Auswahl der Produkte bis hin zum korrekten Einbau sowie die regelmäßige und sachgerechte Wartung durch zertifizierte Fachleute.

 

„Schwerwiegende Vorkommnisse, die zwar zum Glück selten sind, aber medial aufgegriffen werden, wie z.B. die Brandkatastrophe am Düsseldorfer Flughafen oder der Hochhausbrand in London, machen die Relevanz des Themas der breiten Bevölkerung deutlich.“

 

Der Umfang und Stellenwert von Regularien ist in diesem Bereich glücklicherweise bereits sehr hoch. Oftmals wird allerdings das Thema Rauchschutz unterschätzt. Die Gefahr, an den Folgen einer Rauchvergiftung zu sterben, ist immer noch vergleichsweise hoch.

 

Worin genau liegen denn die Unterschiede zwischen einer Brandschutztür und einer Rauchschutztür? Und welche Tür von Teckentrup bietet dabei welche Vorteile?

 

Dr. Klöpfer: Unsere zugelassenen Brandschutztüren in T30/60/90 sowie unsere entsprechend europäisch CE-gekennzeichneten Produkte werden im Hinblick auf den Widerstand gegenüber hohen Temperaturen entwickelt. Sie beugen Schadenfeuer vor bzw. verhindern effektiv dessen Ausbreitung. Rauchschutztüren legen hingegen besonderes Augenmerk auf die Dichtigkeit bei Temperaturen von ca. 200°C. Zudem unterscheiden sich die Türen in der Ausstattung. So sind bei Rauchschutztüren standardmäßig Obentür-Schließer und eine Bodendichtung vorhanden.

 

„In Abhängigkeit des konkreten Produkts kann es notwendig sein, gewisse Konstruktionsparameter, wie bspw. die Art der Verriegelung oder die Auslegung der Sicherungsbolzen, anzupassen.“

 

Die Bandbreite an Ausstattungsdetails ist dabei umfangreich – egal ob bei einer reinen Rauschschutztür, einer Brandschutztür, oder einer Verbindung aus Rauch- und Brandschutztür. Die konkreten Anforderungen sind dabei immer am Anwendungsfall zu prüfen, um einen effizienten Brandschutz zu gewährleisten.

 

 

Welche Motivation steht für Sie zu Beginn der Entwicklung einer neuen Brandschutztür von Teckentrup?

 

Dr. Klöpfer: Gründe für ein neues Entwicklungsprojekt in diesem Bereich können vielfältig sein: Angefangen bei neuen Funktionen oder dem Wunsch nach einem neuen Design, qualitativen, wirtschaftlichen oder auch nachhaltigen Aspekten. Auslöser finden sich dabei nicht nur intern – im Produkt-Management, dem Vertrieb oder der Entwicklung selbst – sondern gehen auch von sich verändernden regulativen Vorgaben (bspw. Normen) sowie vom Kunden aus. Letzteres ist seit einigen Jahren eine wichtige strategische Säule bei Teckentrup, denn mehrere Produkte sind in „Co-Creation“ mit unseren Kunden entstanden oder weiterentwickelt worden. So kommen wir unserem Versprechen nach, nicht nur Produkte, sondern auch echte Lösungsangebote für (wiederkehrende) Probleme anzubieten.

 

„Wir haben bereits mehrere Brandschutzzulassungen, bei denen der Verbau an bekleideten Holzstützen/-trägern nach DIN 4102 geregelt ist. An weiteren Lösungen für Holzständerwände wird derzeit gearbeitet.“

 

Auch spezielle, bauvorhabenbezogene Projekte, können wir auf diese Weise umsetzen. So haben wir bspw. für ein großes Bahnprojekt in England ein spezifisches Produkt entwickelt, das den besonderen Kundenanforderungen – auch in Sachen Rauch- und Brandschutz – nachkam und mittlerweile in einem Umfang von fast 2.000 Stück geliefert wurde.

 

Bei technologischen Entwicklungen dominiert auch immer stärker die digitale Vernetzung. Wie zeigt sich dies im anlagentechnischen Brandschutz?

 

Dr. Klöpfer: Gängige Anforderungen der „Gebäude-Automation“ finden bereits Umsetzung bei Rauchmeldern, Zugangskontrollen, Zustandsüberwachungen, vernetzten Brandmelde-Anlagen oder dem Aufhalten von Gebäudeabschnitten durch Feststellanlagen. Die zunehmende Vernetzung von Anlagen bspw. der Fertigungstechnik oder auch der Gebäudetechnik mit diverser Sensorik und Überwachung eröffnet auch für den Brandschutz ein neues Potential an Möglichkeiten, auch wenn es dabei manchmal „nur“ um ein Signal innerhalb der Brandmeldeanlage geht.

 

Welche Optionen sehen Sie für das zukünftige Design von Brandschutztüren?

 

Dr. Klöpfer: Es lässt sich ein Trend erkennen, dass Stahlblechtüren näher an den Designanspruch von Holztüren herankommen sollen. Filigran anmutende Ganzglastüren, Türen mit flächenbündiger Verglasung sowie die Integration von dezenten Beschlagsteilen, wie flächenbündige Garnituren, innenliegende Bänder und Türschließer gehören bereits heute – je nach Produktgruppe – zu unserem Brandschutz-Portfolio. Gerade im Bereich der designorientierten Architektur kommt unser flächenbündiges Designprofil verstärkt zum Einsatz. Diese Zargenlösung ermöglicht einen wirtschaftlich effizienten Einbau flächenbündiger Türen.

 

„Im Brandschutzbereich arbeitet Teckentrup durch entsprechende Zulassungen und Klassifizierungen ständig an den vom Markt gewünschten Anbindungen.“

 

Zudem sind weitere Oberflächen denkbar, die eine optische Nachbildung verschiedener Werkstoffe imitieren und sich von ihrer Struktur und Haptik kaum vom Original unterscheiden oder nach Kundenwunsch individualisiert/bedruckt werden können, ohne dabei auf die Mehrwerte einer Stahltür verzichten zu müssen.  Darüber hinaus gewinnen vor allem nachhaltige Produkt- und Systemlösungen stetig an Bedeutung für Gesundheit und Umwelt. Auch wir werden dieses Thema zukünftig noch stärker in unseren Produkten mitdenken und verankern sowie bei der Weiterentwicklung der Produktpalette beachten. Mithilfe eines integrierten Managementsystems nach DIN EN ISO Normen setzen wir uns bereits heute für eine nachhaltige Produktion und den betrieblichen Gesundheitsschutz ein. Darüber hinaus sind unsere Produkte bereits gemäß dem Environmental-Product-Declaration Standard (EPD)beschrieben.

 

Herr Dr. Klöpfer, wir bedanken uns bei Ihnen für das Gespräch und den damit verbundenen Blick hinter die Kulissen der Produktentwicklung bei Teckentrup.

 

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CarTeck Team

Wir von Teckentrup entwickeln und vertreiben seit über 85 Jahren Türen, Tore und Zargen. Unsere Produkte sind „Made in Germany“ und werden in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden und Partnern entwickelt. Über 900 Mitarbeiter arbeiten täglich daran, die besten Lösungen für unsere Kunden zu finden. In unserem Blog berichten wir über alles Wissenswerte rund ums Thema Garagentor und geben Tipps, Informationen und Hilfestellungen zu allen nur erdenklichen Frage- und Problemstellungen.

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Ihr CarTeckTeam

Kommentare
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Teckentrup Online Team | : 02.11.2021
Sehr geehrter Herr Wanner, wir haben Ihre Anfrage an unsere Angebotsabteilung weitergeleitet. Ggf. wird man Sie nochmals für weitere Angaben kontaktieren. Mit freundlichen Grüßen, Ihr Teckentrup Online Team
Otto Wanner | : 02.11.2021
Sehr geehrte Damen und Herren! Wir benötigen ein doppelflügliges Brandschutzelement T30 zur Herstellung eines Brandabschnittes. Die Flügel sollen immer geöffnet sein und nur im Brandfall schließen. Welches Element käme von Ihrer Firma zum Einsatz: Durchgangsbreite: 1,93 m viel Putz an der Wand. Höhe: 2,48 m Wer würde so etwas fachgerecht einbauen in 73529 Schwäbisch Gmünd. Danke für Ihr Feedback. Mit freundlichen Grüßen Otto Wanner
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